Auf der Suche nach der Work-Life-Balance

Work-Life-Balance

KerstinB:

Ich will euch nicht langweilen, aber ich habe mich aus aktuellem Anlass mal wieder mit der Work-Life-Balance (WLB) beschäftigt. Es ist schließlich nicht umsonst das zentrale Thema von LiWoBa. Was heißt aus aktuellem Anlass? Tja, zurzeit gerate ich gerade wieder etwas ins Ungleichgewicht, dabei schien zu Beginn des Jahres doch alles so gut zu laufen… 2019 sollte mein Jahr werden! Und jetzt werde ich einmal mehr meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Wie konnte es nur dazu kommen?

Wie so oft, sind es mehrere Faktoren, die nahezu gleichzeitig aufgetreten sind: im Job hatte ich plötzlich wieder so richtig viel zu tun, da hinke ich meinem Zeitplan mal so richtig hinterher. Meine Woche mit dem Magen-Darm-Virus, die ich zu Hause verbringen musste, hat die Situation nicht verbessert, ganz im Gegenteil. Es hat sich weder jemand erbarmt, mir Arbeit abzunehmen, noch hat sie sich von selbst erledigt. Ich kann solche Situationen, in denen ich kein Land sehe, nicht ausstehen. Aber das geht wohl jedem so. Doch nicht nur die Arbeit wächst mir über den Kopf, nein auch mein Garten und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich komme mit der Gartenpflege nicht mehr hinterher. Wenn ich die gehegten und gepflegten Gärten meiner Nachbarn sehe, schäme ich mich für meinen Wildwuchs vor und hinter dem Haus. Auch da hat mich die Krankheit im Zeitplan zurückgeworfen. Krank sein ist in meinem Leben einfach nicht mit eingeplant. Für längere Ausfallzeiten gibt es bei mir keinen Puffer.

Jedenfalls kam so eins auf’s andere, ich war unzufrieden, dazu noch gesundheitlich angeschlagen und schon war ich aus dem Gleichgewicht und mich hat einfach alles genervt bzw. mich nervt immer noch alles. Da die Phase weiterhin andauert. Genau aus diesem Grund befasse ich mich aktuell wieder mit der WLB.

Zu wenig Zeit haben

Was ist Work-Life-Balance?

In Was ist eigentlich Work-Life-Balance? habe ich mich bereits mit der Bedeutung des Begriffs auseinandergesetzt. Außerdem habe ich mir dort Gedanken dazu gemacht, wie sich eine gute WLB messen lässt und habe Freunde und Verwandte zu diesem Thema interviewt. Damit ich euch wirklich nicht langweile, fasse ich es kurz und knapp zusammen:

Work-Life-Balance = ausgewogenes Verhältnis zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen einer Person

Das Ziel einer guten WLB ist also, einen Job zu haben, der einen erfüllt, dazu ein glückliches Privatleben zu führen und einen gesunden Körper zu besitzen.

Wenn ihr mehr dazu lesen wollt und meinen Artikel Was ist eigentlich Work-Life-Balance? noch nicht kennt, kann ich euch den wärmstens empfehlen 😊.

Wie sieht die Realität im Bezug auf die WLB aus? Bei den meisten dauert ein Arbeitstag mindestens 8 Stunden, d. h. es bleibt für unser Privatleben und unsere Freizeit nicht mehr so viel Zeit übrig. Vor allem dann nicht, wenn wir selbst nach Feierabend noch zum Handy greifen und unsere Mails checken. So gibt es keine saubere Trennung zwischen Job und Freizeit, worunter wiederum die WLB leidet. Im Allgemeinen gilt, konzentriert man sich zu sehr auf den Job, schränkt man damit die eigene Lebensqualität ein, auch wenn man seinen Beruf liebt. Leider ist es in der Regel schwierig, sich dem beruflichen Stress zu entziehen. Man stellt seine persönlichen Interessen hinten an und macht sehr oft Zugeständnisse zu Gunsten des Jobs.

Ihr merkt schon, es ist gar nicht so einfach, eine gute WLB zu haben. Vermutlich habt ihr es, genauso wie ich, bereits am eigenen Leib erfahren. Man sollte seine Energie gezielt und möglichst effizient einsetzen, so dass weder für den Beruf noch für das Privatleben die eigenen Ressourcen einseitig verbraucht werden. Wir machen zwar fast immer unseren Job dafür verantwortlich, dass wir uns gestresst fühlen. Doch bei normalen Arbeitszeiten, ich rede hier von einer 40-Stunden-Woche, bleibt uns eigentlich immer noch genügend Raum für ein erfülltes Privatleben. Ich habe aber das Gefühl, oder kenne es teilweise auch von mir selbst, dass wir uns auch in unserer Freizeit stressen lassen bzw. selbst unter Stress setzen. Vermutlich aus Angst etwas zu verpassen. Möglicherweise fällt uns ein NEIN in unserer Freizeit sogar schwerer als im Job?! Und schon wären wir bei der Frage:

Was beeinflusst die Work-Life-Balance

In der folgenden Grafik könnt ihr sehen, aus welchen Bausteinen sich die WLB zusammensetzt. Sobald einer dieser Bausteine herausbricht, gerät das Gleichgewicht ins Wanken.

Work-Life-Balance

Als Hauptursachen für eine fehlende Balance werden meist folgende vier Punkte gesehen:

  1. zu hohe Arbeitsbelastung
  2. zu großer Erfolgsdruck oder Verantwortung
  3. ständige Erreichbarkeit
  4. fachliche oder organisatorische Überforderung

Auf den ersten Blick kennzeichnen diese vier Punkte vor allem die Probleme im Job. Sie sind teilweise aber auch auf das Privatleben übertragbar. Ich habe beispielsweise mit Haus und Garten selbst privat eine relativ hohe Arbeitsbelastung, was eine sehr gute Organisation voraussetzt, damit wirklich alles erledigt werden kann. Gerade zu Hause neigt man aber eher dazu, Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen (ist ab und zu durchaus mal erlaubt) oder sich bei seinen Aufgaben zu verzetteln.

Ihr erkennt schon, nicht allein der Mangel an Zeit ist ausschlaggebend, denn im europäischen Vergleich arbeiten wir mit durchschnittlich 35,2 Wochen-Arbeitsstunden sogar recht wenig. Also sind andere Faktoren mindestens genauso ausschlaggebend für eine ausgewogene WLB. Ich sehe die Probleme vor allem in folgenden Punkten:

  • schlechtes Zeitmanagement, d. h. die Zeit wird nicht effektiv genutzt, z. B. durch schlechte Planung und unstrukturiertes Arbeiten
  • keine klare Definition des Ziels, das erreicht werden soll / fehlende Zielvorgabe, worauf genau man hinarbeiten soll
  • Arbeitsintensivierung, es wird immer mehr in immer weniger Zeit gefordert
  • die Komplexität der Aufgaben, egal ob im Alltag oder im Beruf, nimmt zu
  • der eigene zu hohe Leistungsanspruch/Perfektionsanspruch steht einem zu oft im Weg
  • Einfluss durch chaotische Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden
  • der technologische Fortschritt führt zur Entgrenzung der Arbeit, z. B. die ständige Erreichbarkeit via Smartphone
  • unkonzentriertes Arbeiten durch ständige Ablenkung, auch hier muss ich wieder das Smartphone als Beispiel nennen
  • man gönnt sich immer weniger Freizeit, um den eigenen Akku aufzuladen

Außerdem hängt die WLB auch von der eigenen Persönlichkeit ab. Eine Frohnatur lässt sich nicht so leicht stressen wie Menschen, die ohnehin einen Hang zur Schwarzmalerei haben. Natürlich ist die Arbeit bzw. der Beruf im Allgemeinen ein ganz wichtiger Punkt. Wenn man seinen Job nicht gerne macht, kann jeder Tag ganz schnell zur Qual werden. Wichtig ist dabei auch das Arbeitsumfeld, mit netten Kollegen macht die Arbeit gleich doppelt so viel Spaß.

Im nächsten Abschnitt werde ich noch ein paar Worte dazu schreiben, warum eine gute WLB so wichtig ist und euch zu guter Letzt natürlich auch Tipps mit auf den Weg geben, wie man eine bessere WLB erreicht. Also schön brav weiterlesen, auch wenn der Beitrag dieses Mal etwas länger ist!

Work-Life-Balance

Wie steht es eigentlich mit eurer persönlichen WLB?

Arbeit ist gut, vorausgesetzt, du vergisst nicht zu leben.

 

Was tun, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten ?

Mittlerweile habe ich mich bzw. wir uns intensiv damit befasst, was Work-Life-Balance (WLB) ist und durch welche Faktoren sie beeinflusst wird. Aber eigentlich interessiert uns doch hauptsächlich, wie man eine gute oder bessere WLB erreicht. Vorab möchte ich aber noch ein paar Worte darüber verlieren…

Warum Work-Life-Balance so wichtig ist

Jeder von uns hat sicherlich schon mehr oder weniger erfahren bzw. erfahren müssen, was passiert, wenn man aus dem Gleichgewicht gerät. Man fühlt sich erschöpft und hat das Gefühl, dass man nicht mehr alles im Griff hat. Der hohe Druck und die Dauerbelastung machen uns nicht nur unzufrieden sondern häufig auch krank. Wir sind frustriert, was sich schlecht auf die Arbeit aber auch auf das Privatleben auswirkt. Unter Dauerstress ist man fehleranfällig, was die Unzufriedenheit noch verschärft.

Work-Life-Balance

Ganz extrem habe ich das in 2012 gespürt, als mein Leben phasenweise nur noch aus Arbeiten und Überstunden bestand und natürlich besonders während des Hausbaus. Wobei beim Hausbau irgendwann ein Ende abzusehen war und ich ein Ziel vor Augen hatte. Dadurch erschien die Situation nicht ganz so aussichtslos. Aber aus diesen Phasen habe ich unheimlich viel gelernt und sogar neue Kraft geschöpft. Zum einen habe ich festgestellt, dass ich meines Erachtens sehr belastbar bin, da ich nichtsdestotrotz weiterhin funktioniert habe und zum anderen habe ich mir endlich Gedanken gemacht, was ich vom Leben erwarte, was mich glücklich und zufrieden macht. Und das ist eben nicht der Job alleine und das Abarbeiten meiner sonstigen privaten To-Dos.

Zu dieser Zeit hatte ich insbesondere mit Schlafstörungen zu kämpfen, gerade dann als die Regeneration durch ausreichenden Schlaf umso wichtiger gewesen wäre. Der Stress macht sich aber nicht nur in Form von Schlafstörungen bemerkbar, auch Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, Rückenschmerzen, Magenschmerzen und/oder Bluthochdruck sind Symptome von Stress. Im schlimmsten Fall führt es zu Burnout und langfristig zu Depressionen.

Der Auslöser für die Stresssymptome sind, wie an meinem Beispiel herauszulesen ist, die seltenen Erholungsphasen. Vor allem dann, wenn die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit aufweicht (z. B. durch Abrufen von Mails nach Feierabend), können wir nicht mehr richtig abschalten. Generell erschweren Internet, Social Media und die ständige Erreichbarkeit die Erholung. Anstatt einer nachhaltigen Erholung sind wir unter Daueranspannung. Dabei sind Pausen und Erholungsphasen extrem wichtig. Denn nur ausreichende Erholungsphasen bauen Stress ab bzw. lassen Stress gar nicht erst aufkommen. Somit bleibt man dauerhaft leistungsfähig.

Leider fühlt sich mittlerweile jeder Dritte permanent gestresst und überlastet. Der Arbeitgeber sollte daran Interessiert sein, dem Mitarbeiter genügend Zeit für das Privatleben einzuräumen, da gilt: zufriedene Mitarbeiter sind bessere Mitarbeiter!

Vielleicht können wir noch etwas von den Schweden lernen. Denn die Schweden liegen sowohl bei den Produktivitätsraten als auch bei der allgemeinen Lebensfreude ganz weit vorne im europäischen Vergleich.

Work-Life-Balance

Meine Tipps für eine bessere Work-Life-Balance

Da ich mich schon seit geraumer Zeit mit der WLB beschäftige, einiges ausprobiert und einige Erfahrungen gesammelt habe (gerne auch nachlesen unter Meine ganz persönliche Work-Life-Balance), habe ich selbstverständlich auch ein paar Tipps für euch:

  • Me first! Steht zu euren Bedürfnissen und euren persönlichen Zielen und äußert diese auch lautstark. Opfert euch nicht komplett für andere (Arbeitgeber, Kollegen und sogar Freunde oder Partner) auf.
  • Macht Sport zum Ausgleich! Selbst nach einem sehr anstrengenden Tag hilft es mir, mich am Abend noch in irgendeiner Art sportlich zu betätigen. Auch wenn die Überwindung manchmal groß ist, probiert es aus oder integriert den Sport einfach in eure Morgenroutine.
  • Sich selbst Grenzen setzen und einhalten, wie z. B. pünktlich Feierabend machen.
  • Im Kontrast zum Arbeitsalltag solltet ihr unbedingt ein Hobby haben, dass ihr regelmäßig pflegt und bei dem ihr wirklich gut abschalten könnt. Bei mir ist es neben dem Sport das Schreiben.
  • Ihr müsst unbedingt lernen, Prioritäten zu setzen und wenn die Belastung zu groß wird und ihr erschöpft seid, lernt NEIN zu sagen!
  • Aufgaben dürfen auch gerne mal delegiert werden. Genauso wie ihr andere unterstützt, habt auch ihr das Recht, euch Unterstützung zu holen.
  • Da ich morgens am effektivsten bin, habe ich es mir angewöhnt, in der Früh gleich die unliebsamen oder komplizierten Aufgaben zuerst zu erledigen. Das hilft ein Stück weit, den Kopf frei zu bekommen.
  • Eine gute Planung/gutes Zeitmanagement mittels Kalender, Notizblätter, Pinnwand, To-Do-Listen usw. ist die halbe Miete. Dabei ist es wichtig, dass man die Dauer der Aufgaben besser einzuschätzen lernt. Plant immer ausreichend Puffer für Unvorhergesehenes mit ein und natürlich für euch und eure Me-Time.
  • Wenn möglich, die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen. Denn somit verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit, was mich zumeist belastet.
  • Wenn man von vorneherein Ordnung hält, spart das einerseits Zeit beim Suchen, man kann strukturierter arbeiten und es müssen keine längeren Aufräumphasen erfolgen, die man manchmal gerne bis zum Sankt Nimmerleinstag aufschiebt.
  • Gönnt euch immer wieder kleine Auszeiten, in denen das Smartphone auf Flugmodus geschaltet wird. Um besser einschlafen zu können, habe ich es mir mittlerweile angewöhnt, das Smartphone ab 22 Uhr auszuschalten. Das hilft wirklich.
  • Selbst Ernährung hat Einfluss auf die WLB. Aber das ist ein Kapitel für sich.
  • Habt ihr trotzdem immer noch das Gefühl, die Arbeit wächst euch über den Kopf? Vielleicht wäre eine Option, die Arbeitsstunden zu reduzieren?! Das funktioniert bei mir leider nicht, da ich auf das Geld angewiesen bin. Aber bei mir wäre selbst das Einhalten der 40-Stunden-Woche schon ein Fortschritt.
  • Kommt ihr allerdings bei eurem Job überhaupt nicht mehr klar – schreckliche Kollegen, ignorante Vorgesetzte oder langweilige, eintönige Aufgaben – so bleibt nur noch ein Jobwechsel.

Aber seid ehrlich zu euch, seid ihr wirklich gestresst oder manchmal nicht einfach nur träge und ein bisschen faul und lasst deshalb zu viel Zeit ungenutzt verstreichen? Ich bin auch nicht an jedem Tag super effizient und extrem fleißig. Es gibt Tage, an denen würde ich mir gerne selbst in den A… treten, wenn ich könnte. Abends ärgere ich mich dann, wenn zu viel liegen geblieben ist. Faule Tage, darf ich mir allerdings nicht zu oft erlauben, da sich sonst alles stapelt. Schließlich schafft es kein anderer für mich weg. So geschehen als ich krank war, was zu riesen Frust und Zweifel geführt hat.

Anregungen für mehr Achtsamkeit

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar sinnvolle Ansätze zur Verbesserung eurer WLB mit auf den Weg geben. Aber vielleicht habt ihr ja auch noch ein paar gute Tipps für mich?

Ein erfülltes Leben besteht nicht darin, es möglichst vollzupacken. Sondern darin, Unnötiges wegzulassen und die Dinge zu tun, die dir Energie, Spaß und Sinn geben.

(Dr. Martin Krengel)

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