Keine Lust auf Arbeit – Generation Y und Z

Generation Y und Z

KerstinB:

Ich selbst gehöre noch der Generation X an, das heißt, dass ich vor 1981 geboren wurde. Die Generation X gilt im Allgemeinen als ambitioniert, individualistisch und ehrgeizig, sie ist in der Regel gut ausgebildet und betrachtet die Arbeit als Mittel zum Zweck, um sich ein abgesichertes Leben leisten zu können. Ich, als Mitglied der Generation X habe wie viele andere aus meiner Generation oft das Gefühl, dass die Generationen nach mir – Y und Z – immer weniger Lust auf Arbeit haben. Und der Schein trügt nicht, dass hat folgender, kürzlich erschienener Artikel Nach der Generation Z verlieren auch Millennials die Lust am Arbeiten (von Florian Gehm) nämlich bestätigt. Mich hat das insofern glücklich gemacht, dass ich nun weiß, ich bilde mir das nicht nur ein. Generell sehe ich die Situation aber natürlich sehr kritisch und mich macht das äußerst unzufrieden, weil es nämlich zeitweise auf meine eigene Motivation Einfluss nimmt.

Damit wir aber alle auf demselben Stand sind, möchte ich zuerst kurz mit meinen eigenen Worten den Inhalt des eben erwähnten Artikels wiedergeben. Die Hauptfiguren in diesem Artikel sind die Millenials, auch Generation Y genannt, also alle die, die zwischen 1981 und 1995 auf die Welt gekommen sind. Diese Altersgruppe ist laut aktuellen Umfragen mit ihrem Berufsleben unzufrieden. Angeblich gelten oder vielmehr galten die Millenials als strebsam und arbeitswillig, sowie belastbar und gerne rund um die Uhr erreichbar. Nun hat sich das Bild gewandelt und sie werden eher mit der Generation Z (nach 1995 Geborene) verglichen. Die Generation Z zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Wunsch hegen, viel zu bekommen ohne dafür viel leisten zu müssen.

Warum aber verlieren nun auch die Millenials die Lust an ihrem Job?

Dafür nennt Florian Gehm in seinem Artikel diese Gründe:

  • sie werden nicht von den Zielen des Unternehmens inspiriert
  • junge Arbeitnehmer sind kritischer und haben höhere Erwartungen
  • sie wünschen sich mehr Flexibilität in ihrem Job
  • sie sind mit ihrer Vergütung unzufrieden
  • sie sehen wenig Möglichkeiten, das zu tun, was sie am besten können
  • sie haben wenig Vertrauen in die Geschäftsleitung
  • sie fühlen sich häufig von Hierarchien ausgebremst

Letztendlich führen diese Gründe dazu, dass die Motivation mit steigender Betriebszugehörigkeitsdauer sinkt.

Generation Y und Z

Mein Arbeitgeber, sowie auch viele andere Arbeitgeber, sind den Wünschen der Millenials bereits ein Stück weit entgegengekommen, indem sie z.B. Home-Office zulassen oder flexible Arbeitszeiten eingeführt haben. Ich persönlich weiß das zu schätzen, da dies aus meiner Sicht zum modernen Berufsleben dazu gehört, auch wenn ich selbst das bisher wenig in Anspruch genommen habe.

Tja, und hier an dieser Stelle endet der oben zitierte Artikel auch. Für mich ist diese Erkenntnis und Beobachtung aber noch nicht zu Ende diskutiert. Deshalb möchte ich hiermit meine eigene Meinung äußern, schließlich hängt die ganze Situation irgendwie mit der Work-Life-Balance zusammen. Ich möchte noch kurz erwähnen: Ausnahmen bestätigen die Regel. Ob ihr nun eher zu den Ausnahmen gehört … diese Entscheidung überlasse ich euch.

Meine ganz persönliche Meinung zu den Generationen Y und Z

Genauso wie die Unternehmen bzw. der Arbeitgeber den Wünschen der Millenials und der Generation Z entgegenkommt, sollte aus meiner Sicht auch ein gewisses Entgegenkommen des Arbeitnehmers da sein. Man kann nicht immer nur fordern, sondern steht auch in der Pflicht. Ich selbst habe mich von Anfang an mit meinem Unternehmen identifiziert und war bzw. bin mir immer noch bewusst, dass nicht ausnahmslos jede Aufgabe Spaß machen kann. Es gibt Projekte/Aufgaben, bei denen man regelrecht aufblüht und die uns vor neue Herausforderungen stellen. Andererseits gibt es eben Tätigkeiten, die etwas stupide sind, die viel Zeit kosten und man wenig Sinn darin sieht. Nur müssen solche Arbeiten gleichermaßen erledigt werden. Ich bin mir dafür keinesfalls zu schade, sondern sehe es als meine Pflicht an, mich auch ab und zu solchen Arbeiten zu widmen. Ich bin mir aber dann zu schade dafür, wenn sich die Millenials die Sahnestücke bei der Arbeit herauspicken und ich das abarbeiten darf, was kein anderer tun möchte. Nur weil ich diese stupideren Arbeiten ohne Murren erledige, würde ich dann quasi noch bestraft werden.

Zwingt man den Millenials oder der Generation Z unbeliebte Aufgaben auf, werden diese meist motivationslos und oberflächlich erledigt. Diese ständige Lustlosigkeit pflanzt sich in einem Unternehmen schließlich fort. Das ist wie ein Virus der Tag für Tag von einem Mitarbeiter zum nächsten übergreift, welchem man sich auf Dauer auch mit der positivsten Einstellung nicht entziehen kann.

Zudem hat man meines Erachtens seine Arbeitszeit auch zu 100 % seinem Arbeitgeber zu widmen, OK vielleicht zu 98% 😉 . Seit dem Zeitalter der Smartphones beobachte ich allerdings etwas ganz anderes. Ich möchte mich da nicht ausnehmen. Da ich selbst ein sehr neugieriger Mensch bin und nicht umhin kann, bei jedem Summen zum Handy zu greifen, schalte ich mittlerweile im Büro zum Großteil den Flugmodus ein. Somit komme ich schon gar nicht in die Versuchung, sämtliche Nachrichtenkorrespondenz in Whatsapp zu checken. Leider sind die Generationen nach mir nicht mit so viel Disziplin und Pflichtbewusstsein gegenüber dem Arbeitgeber ausgestattet, dass sie es mir gleichtun. Die meisten profitieren dabei von der Toleranz ihrer Vorgesetzten und sehen selbst den privaten Smartphonegebrauch während der Arbeitszeit als selbstverständlich an.

Generation Y und Z

Bei den Aussagen der Millenials „ich kann mich mit meinem Arbeitgeber nicht identifizieren“, „meine Arbeit inspiriert mich nicht“ oder „entspricht nicht meinen Vorstellungen“, frage ich mich: Gibt es überhaupt einen Job, auf den dies zu 100% zuträfe oder sind die Erwartungen nicht einfach zu hochgesteckt?

Bei der Frage nach angemessener Bezahlung sollten sich manche bewusst werden, dass sie Berufseinsteiger sind, dass sie noch gar nicht von einer langjährigen Berufserfahrung, wie ihre älteren Kollegen, profitieren. Als Neuling kann ich in der Hierarchie nicht gleich ganz weit oben einsteigen, wo ich nur noch Arbeit delegiere und Entscheidungen treffen muss. Vielleicht überschätzen sich manche ein bisschen, wenn sie mit einer guten Note in der Tasche die Universität verlassen. Ich habe damals mit sehr viel Demut  und sogar ein wenig Ehrfurcht meine Stelle angetreten und war dankbar von dem Erfahrungsschatz der berufserfahrenen Kollegen profitieren zu können. Ich war nie der Überzeugung, dass ich alles schon kann und bin bis heute lernwillig und hole mir noch ab und zu Rat bei älteren Kollegen.

Die Vergütung geht selbstverständlich mit der Berufserfahrung einher. Als Neuling kann ich bei der Gehaltsliste nicht oben einsteigen, zum einen habe ich noch nichts für meinen Arbeitgeber geleistet und zum anderen würde das das komplette Gehaltsgefüge sprengen. Es wäre auch nicht fair gegenüber verdienten Mitarbeitern, die schon lange Zeit bei dem Unternehmen angestellt sind. Die Gehaltsforderungen der Millenials werden im Allgemeinen damit begründet, dass die Lebenshaltungskosten steigen, insbesondere die Mieten. Aber wenn ich sehe, was heutzutage für Urlaub, Freizeitgestaltung und Luxusgüter ausgegeben wird, ist unser Standard doch schon sehr hoch, oder etwa nicht? Keiner, der aus einem wohlbehüteten mittelständischen Elternhaus stammt, will mehr auf ein Event oder Luxusgut verzichten. Nur so kann eben auch nichts angespart werden. Liebe Millenials, fragt mal eure Eltern, was Sparen heißt! Auf was sie zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn verzichten mussten, damit sie sich das leisten konnten, was sie heute besitzen?

Anstatt nach immer mehr zu streben, sollten wir uns mal wieder mehr auf Demut und Dankbarkeit konzentrieren und schätzen, dass es den meisten von uns doch besser geht als unseren Vorgängergenerationen. Das hätte eine äußerst positive Auswirkung auf unsere Work-Life-Balance und das innere Gleichgewicht.

Aber wir dürfen uns natürlich auch nicht unter Wert verkaufen, wir dürfen uns nicht für den Arbeitgeber opfern. Es muss ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen herrschen, zwischen Pflicht und Forderung. Stellt man allerdings fest, der Job/die Arbeit oder speziell das Unternehmen passt absolut nicht zu der eigenen Vorstellung, wäre es tatsächlich an der Zeit für einen Jobwechsel. Dabei appelliere ich an alle, dass ihr diese Situation bitte mit gesundem Menschenverstand analysiert und nicht einfach aus einer aktuellen Laune heraus bewertet. Bitte nicht nur egoistisch denken, sondern sich auch mal in den Arbeitgeber hineinversetzen. Hätte der Arbeitgeber überhaupt Möglichkeiten, eure Situation zu verbessern oder sollte man selbst nicht zumindest einen Schritt entgegenkommen? Seid ihr unzufrieden, sprecht das in einem offenen Gespräch an und hört euch bitte auch die Situation eures Vorgesetzten an. Oft ist so ein Gespräch für beide eine Bereicherung.

Und überlegt mal, wenn jeder nur das tun würde, wozu er Lust hat, wo würde das wohl enden….?

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