Wanderurlaub in Oberstdorf

KerstinB: 01.09.2020

Tag 1 – Breitachklamm und Heini-Klopfer-Skiflugschanze

Das erste Highlight des 4-tägigen Allgäutrips war die Breitachklamm, welche sich vom Kleinwalsertal bis Oberstdorf erstreckt. Dieses einzigartige Naturdenkmal ist die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas.

Aufgrund der Corona-Bestimmungen konnte man die Klamm nur von Kasse 1 (Tiefenbach) aus in Richtung Kasse 2 (Walserschanz) durchqueren. Da der Parkplatz P1 bei Kasse 1 bei unserer Ankunft gegen 12:30 Uhr bereits besetzt war, stellten wir unser Auto auf dem Parkplatz P2 ab und machten uns über den Rundweg und den etwas steileren Zwingsteg auf den Abstieg zur Kasse 1. Die Parkgebühr beträgt übrigens an beiden Parkplätzen 3,00 €. Der Eintritt in die Klamm selbst kostet für Erwachsene nochmals 5,00 €, die sich absolut lohnen.

Der Menschenandrang war ziemlich groß, so dass wir knapp 30 Minuten auf unseren Einlass in die Schlucht warten mussten. Aber die Wartezeit war es allemal wert. Es war schon sehr beeindruckend, welche Kraft Wassermassen haben können. Da es die letzten Tage in Oberstdorf ordentlich geregnet hatte, war die Breitachklamm umso mehr ein sehenswürdiges Spektakel.

Man sollte aber auf alle Fälle festes Schuhwerk tragen und eine Regenjacke. In der Klamm tropft es überall, auch wenn es nicht regnet. Die Wege in der Klamm sind sehr gut gesichert und ausgebaut, so dass auch Kinder ohne Probleme mitgenommen werden können. Aufgrund der großen Besuchermenge war es etwas schwierig Fotos zu machen und das Naturschauspiel einfach mal auf sich wirken zu lassen.

Nach ca. 1 Stunde haben wir die Klamm wieder verlassen. Der Ausgang führte uns fast direkt zu unserem Parkplatz, so dass wir nach insgesamt 2 ½ Stunden die Weiterfahrt antraten.

Auf dem Weg zu unserem Hotel, dem Birgsauer Hof, machten wir einen Zwischenstopp an der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf, ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Sie ist zurzeit die drittgrößte Skiflugschanze der Welt mit einer Schanzengröße von 235 m und einem Schanzenrekord von 238,5 m, aufgestellt von Daniel-André Tande. Die Fahrt mit dem Aufzug zum Fuß des Schanzenturms haben wir uns geschenkt, da es uns die 12,00 € einfach nicht wert gewesen ist. Aber auch von unten war es eindrucksvoll, so dass ich jedem empfehlen kann, sich das selbst einmal anzuschauen und sich zu überlegen, ob man wirklich von dort oben herunterspringen würde. 😊

Tag 2 – Wanderung zum Großen Rappensee – von Birgsau über die Enzianhütte

Hochmotiviert hatte ich mir für den heutigen Tag eine Monsterwanderung ausgesucht, zumindest für meine wandertechnischen und konditionellen Verhältnisse. Los ging es quasi vor der Haustür unseres Hotels in Birgsau. Die Wanderung ist als mittelschwer tituliert, sollte ca. 7 Stunden dauern, knapp 1.200 Höhenmeter überwinden und 18,7 km lang sein. Wir haben letztendlich 9 Stunden benötigt inklusive Pausen und teilweise unwägbarem Terrain aufgrund des Dauerregens der vorherigen Tage.

Die komplette Wanderroute inklusive Beschreibung findest du übrigens hier: https://www.bergwelten.com

Der Aufstieg ließ kaum Gelegenheit zum Verschnaufen, da es bis auf kleine Ausnahmen permanent steil bergauf ging, vorbei an unzähligen kleinen Wasserläufen oder Wasserfällen. Der Untergrund war mal steinig, mal lehmig und erforderte Trittsicherheit. Einige Passagen waren für mich aufgrund meiner Höhenangst eine wahre Herausforderung, zumindest die Stelle, die man am Steilhang entlang eines Stahlseils passieren musste. Aber auch das habe ich gemeistert, was mich mega stolz macht. Es ist nämlich ein verdammt gutes Gefühl seine Angst zu überwinden.

Den ersten Zwischenstopp machten wir bei der Enzianhütte (1803 m). Leider kam ziemlich rasch Nebel auf, so dass es extrem ungemütlich wurde und wir doch ziemlich schnell weiterzogen. Der nächste Halt war der Große Rappensee bzw. die Rappensee Hütte (2091 m) direkt davor. Es war immer noch ziemlich frostig und feucht, so dass wir auch dort die Aussicht nicht lange genießen wollten und uns nach kurzer Stärkung an den Abstieg machten.

Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen, aber bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung und in den Bergen musst du ohnehin mit Wetterumschwüngen rechnen. Warm eingepackt, die Kapuze über den Kopf gezogen ging es weiter bergabwärts. Das Geröll wurde zu Lehm und irgendwann war der Weg quasi nicht mehr begehbar, da wir knöcheltief im Schlamm steckten. Dabei verloren wir richtig viel Zeit und waren froh, als wir zurück auf schönen schmalen Waldwegen umgeben von zahllosen Farnen waren. Dieser Weg führte uns weiter bergab, bis wir schließlich eine geteerte Straße erreichten, die uns bis zu unserem Hotel führte. Diese Straße wollte gefühlt nie enden, da unsere Beine mittlerweile schon ganz schön schwer geworden waren. Gegen 17:30 Uhr kehrten wir ins Hotel zurück und waren froh, endlich die schlammverspritzten und feuchten Klamotten ausziehen zu können.

Tag 3 – Besler-Rundwanderung ab Rohrmoos

Der Ausgangspunkt unserer heutigen Tour (https://www.outdooractive.com)war der Parkplatz am Berggasthof Rohrmoos. Die Straße, die zu diesem Parkplatz führt, ist übrigens eine Mautstraße, die man für 5,00 € passieren darf.

Das Fazit dieser Tour vorab: so vielen Kühen wie heute bin ich noch nie zuvor begegnet. Die Tour startete gleich an der Kuhweide, wo uns mindestens 25 Kühe direkt am Gatter mehr oder weniger freundlich empfingen. Kühe müssen generell sehr sportlich sein, die Kuhweide mit ihrem extrem steilen Anstieg hat uns gleich zu Beginn einiges abverlangt. Dabei wollten wir doch heute eine etwas entspanntere Tour machen.

Entspannter wurde es ca. 2 km später, als uns die Route ein gutes Stück entlang einer geteerten Straße führte. Danach bekamen wir kaum noch eine Verschnaufpause, der Weg durch den Wald ging immer weiter bergauf. Schließlich mussten insgesamt 774 Höhenmeter überwunden werden. Der erste von 3 Gipfeln war der Beslerkopf. Unweit entfernt davon konnten wir gleich den nächsten Gipfel erklimmen, den Beslergrat. Wäre ich nicht von Höhenangst geplagt, hätte ich die wunderschöne Aussicht bei bestem Wetter vielleicht genießen können.

Leider wanderten wir anschließend etwas desorientiert auf dem falschen Weg weiter. Dieser führte uns zwar auf den dritten Gipfel, dem Besler (1679 m) selbst, aber nicht weiter auf unserem Rundwanderweg. Also ging es wieder über das glitschige Wurzelwerk zurück zum Beslergrat und von dort entlang der Felswand um den Besler herum, bergab. So wurde die Wanderung doch etwas länger und kräfteraubender als geplant.

Auf dem Rückweg kehrten wir auf der Freyburger Alpe ein und genossen das sonnige Wetter bei einem kühlen Getränk, bevor wir uns an den restlichen Abstieg machten, welcher uns über den bereits bekannten Weg vorbei an der Alpe Dinjörgen führte.

Abschließend gab es ein leckeres Essen auf der Terrasse des Berggasthauses Rohrmoos.

Tag 4 – Rund um den Freibergsee

Den letzten Tag wollten wir etwas gemütlicher ausklingen lassen. Deshalb stand der Besuch des Freibergsees auf dem Programm. Startpunkt war der Parkplatz Renksteig, bei welchem eine Tageskarte 7,00 € kostet. Über einen mehr oder weniger steilen Anstieg – 250 m Höhenmeter – erreicht man ziemlich schnell das Naturbad Freibergsee. Da es in den letzten Tagen in Oberstdorf doch sehr kalt gewesen war, lag die Wassertemperatur nur noch bei ca. 16 °C. Bei einem Eintrittspreis von 4,70 € war uns ein kurzer Sprung ins kühle Nass doch etwas zu teuer. Also schlenderten wir auf dem Rundweg um den See herum, vorbei am Fuß des Turms der Heini-Klopfer-Skiflugschanze. So konnten wir die Schanze doch noch aus einer anderen Perspektive betrachten.

Nach der Rückkehr zum Parkplatz verbrachten wir noch gut eine Stunde an der Stillach, an der man auf einem schönen breiten Weg mühelos entlangwandern kann. Das war richtig wohltuend, vor allem wenn die Beine durch die letzten Tage und den vielen zurückgelegten Höhenmetern geschunden sind.

Alles in allem war das ein perfekt gelungener Kurztrip, absolut empfehlenswert mit sehr vielfältigen Möglichkeiten. 🙂