Wie man mit Rückschlägen aufgrund von Verletzungen umgeht

Rückschläge durch Verletzungen

KerstinB:

Heute nerve ich euch wieder mit meinem derzeitigen Lieblingsthema: meine Verletzung! Spaß beiseite! 😉 Eigentlich wollte ich euch nur meine Erfahrungen mit auf den Weg geben, wie ich gelernt habe mit der Situation umzugehen und wie ich es geschafft habe, wieder nach vorne zu blicken.

Meine Situation vor der Verletzung sah folgendermaßen aus:

Ich war für meine Verhältnisse topfit und hochmotiviert, natürlich nichts im Vergleich zu einem Leistungssportler, aber trotzdem gut durchtrainiert. Ich wollte es mir nochmal so richtig beweisen und allen zeigen, dass man auch mit 40 noch mithalten kann. Dass mit meinem Sprunggelenk etwas nicht stimmte, wusste ich schon sehr lange. Schließlich hatte ich bereits seit mehr als einem Jahr immer wiederkehrende Schmerzen. Die Diagnose und der Plan vor meiner OP war, dass ich mir die schmerzhafte Zyste entfernen lasse, die Absplitterung am Sprungbein herausspülen lasse und der Knochen angebohrt wird, damit das Wasser herauslaufen kann. Das hört sich wesentlich dramatischer an, als es ist. Die OP war am 24. Oktober, spätestens im Januar wollte ich wieder vollständig genesen sein. Dann kam die OP und es stellte sich ein Knorpelschaden 4. Grades heraus, Worst Case quasi, d. h. es war kein Knorpel mehr enthalten, dort wo die Zyste entfernt wurde. Somit musste der Arzt mir am Schienbein Gewebe entnehmen in das Sprunggelenk transplantieren, damit sich dort wieder Knorpel bilden kann. Der komplette Heilungsverlauf erstreckt sich über ein ganzes Jahr.

Ein Schock, mit dem ich anfangs überhaupt nicht umgehen konnte. Da ich keine 20 mehr bin, hatte ich das Gefühl, die Zeit läuft mir davon. Werde ich überhaupt nochmal zurückkommen können? Werde ich wieder Fußball spielen können? Werde ich so fit sein wie vor der OP? Fragen, die mir keiner beantworten kann und nichts ist schlimmer als die Ungewissheit. Nichtsdestotrotz musste es irgendwie weitergehen. Und mir wurde schnell klar, es gibt genau zwei Möglichkeiten: Entweder lasse ich mich hängen und gebe auf, was so gar nicht meinem Charakter entspricht oder ich schaue nach vorne, gebe mein Bestes und probiere es erneut. Die ersten Tage war ich selbstverständlich noch, ich nenn es mal traumatisiert. Aber mir war ziemlich schnell bewusst, dass ich einen sehr guten Heilungsprozess hatte, was ich durch Ärzte und Physiotherapeutin mehrfach bestätigt bekam. Ich hatte kaum Schmerzen, die Schwellung hielt sich in Grenzen, die Beweglichkeit blieb trotz des Aircast Short Walkers (Schuh, der mein Sprunggelenk fixiert) relativ gut erhalten genauso wie meine Muskulatur.

Life is 10 % what happens to you and 90 % how you react to it.

(Charles R. Swindoll)

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Die einzelnen Phasen zur Verarbeitung von Rückschlägen

Wenn ich die ganzen Wochen und Monate nochmals Revue passieren lasse, habe ich insgesamt 6 verschiedene Phasen durchlebt, die ich jetzt mal kurz beschreiben möchte:

  • Phase 1: Die Phase 1 mit dem Frust, der Wut und der Trauer hatte ich nach ca. 2 Wochen hinter mich gebracht. In dieser Zeit habe ich mich oft gefragt, warum musste ausgerechnet mir das passieren? Aber es ist nun mal passiert. Jetzt bleibt einem nur, sich an die vielen schönen, erfolgreichen Momente vor der Verletzung zu erinnern und sich bewusst machen, dass man da wieder hinkommen möchte.
  • Phase 2: Ich begann so langsam das Ganze zu akzeptieren und in Phase 2 überzugehen. Schließlich kann ich die Verletzung nicht rückgängig machen und natürlich kommt eine Verletzung immer zum ungünstigsten Zeitpunkt. Aber nur wenn man die Verletzung und die damit einhergehende Situation akzeptiert, kann man sich voll und ganz auf die Genesung konzentrieren. Die Bedeutung der Verletzung und die damit verbundene Ausfalldauer ist mir nun klar geworden.
  • Phase 3: Nachdem ich die Situation akzeptiert hatte, gab es für mich nur noch eines: ich fragte mich, wie ich die aktuelle Situation verbessern kann? Der ganze Frust und die negativen Gedanken mussten schnellstmöglich vertrieben werden. Diesen Prozess nennt man übrigens Gedankenhygiene. Am besten man denkt nur noch von Tag zu Tag und konzentriert sich auf das Hier und Jetzt. Die ganzen “was wäre wenn”-Gedankenspiele bringen einen nicht weiter.
  • Phase 4: In der nächsten Phase begann ich mich zu hinterfragen, ob ich etwas aus der Situation lernen kann. Ob ich die Verletzung durch mein Verhalten eventuell selbst verschuldet habe? In der Tat gebe ich mir eine Mitschuld, dass es am Ende eine derart heftige Verletzung geworden ist. Schließlich hatte ich lange Schmerzen am rechten Fuß, bin aber nie zum Arzt gegangen. Ich bin sicher, hätte ich früher reagiert, wäre das Ausmaß nicht so groß gewesen. Mir ist aber ebenso bewusst, ich würde es dummerweise wieder genauso machen. Anfangs hatte ich gedacht, die Verletzung heilt von alleine aus, da es zwischenzeitlich besser war. Dann wollte ich unbedingt bei der Süddeutschen Meisterschaft mitspielen und meinen langersehnten Traumurlaub wollte ich ebenfalls nicht gefährden. Also habe ich die Operation eben so lange hinausgezögert, durfte aber all die schönen Momente davor noch genießen.

Rückschläge durch Verletzungen

  • Phase 5: Momentan befinde ich mich gerade in der nächsten und vielleicht schon übernächsten Phase, also in den Phasen 5 und 6. Die Phase 5 ist da, um sich neue Ziele zu setzen, sowie diese Ziele eindeutig zu formulieren und um ggf. die Prioritäten im Leben neu zu ordnen, was nach einer solchen Verletzung nicht auszuschließen ist. Nachdem mir anfangs lange Zeit unklar war, ob ich nochmal Fußball spielen kann bzw. ob ich es riskieren möchte, weiß ich jetzt, dass ich gar nicht anders kann. Natürlich muss der Fuß mitspielen. Das heißt, falls es irgendwann im Heilungsprozess einen Punkt gibt, der mir sagt, ich solle es sein lassen, werde ich es nochmal überdenken. Momentan gehe ich davon aus, ich werde zu 100 % gesund und darauf arbeite ich voller Überzeugung hin.
  • Phase 6: Die Phasen 5 und 6 laufen fast parallel, denn ich bemerke bereits jetzt in Phase 6 deutliche Fortschritte. Der größte Schritt war, im wahrsten Sinne des Wortes, wieder ohne Krücken laufen zu können. Das hat mich wahnsinnig stolz und happy gemacht und an genau diesen Fortschritten und Zwischenzielen muss man sich aufrichten. Jeder kleine Schritt in die richtige Richtung wird gefeiert.

Rückschläge durch Verletzungen

Ich weiß, ich bin noch lange nicht am Ziel, aber ich werde nicht aufgeben, bevor ich mein Ziel erreicht habe. Manchmal ist es auch ein Trost zu wissen, dass Rückschläge wohl so ziemlich jedem passieren. Das müssen nicht zwingend irgendwelche Verletzungen sein. Die Phasen lassen sich auch für alle anderen Arten von Rückschlägen anwenden. Wichtig ist, dass man nicht aufgibt, nie die Motivation verliert (11 Tipps, wie du dich neu motivieren kannst), an sich glaubt und nicht verzweifelt. Werdet euch immer über eure Alternative bewusst:

Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.

An dieser Stelle bin ich heute noch nicht ganz am Ende angelangt, denn ich möchte mich einerseits bedanken, andererseits aber auch entschuldigen und zwar bei denen, die mich durch die ganzen Phasen hindurch begleitet haben. Alle, die meine Launen ertragen mussten und mir trotzdem immer wieder gut zugeredet haben. Denn leider gab und gibt es Momente, in denen ich kurzfristig wieder in die Frust- und Trauerphase abrutsche. 🙁

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Eine Antwort

  1. 20. Juni 2020

    […] ich gerade am eigenen Leib. Denn die Psyche macht mir fast noch mehr zu schaffen (nachzulesen unter Wie man mit Rückschlägen aufgrund von Verletzungen umgeht). Mein ganzer Lebensrhythmus ist nach der OP durch meine Verletzung (Knorpelschaden) auf den Kopf […]

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